piwik

warning icon
YOUR BROWSER IS OUT OF DATE!

This website uses the latest web technologies so it requires an up-to-date, fast browser!
Please try Firefox or Chrome!

Life Kinetik

Leseolymp

Lieber Leser,

es freut mich sehr, dass Sie sich für mein Buch „Life Kinetik® – Bewegung macht Hirn“ entschieden haben und sich offensichtlich auch an das Rätsel „Lese-Olymp“ gewagt haben. Jetzt wollen Sie sicherlich überprüfen, ob Sie alles richtig verstanden haben. Deshalb finden Sie hier nun also den „normal“ geschriebenen Text des Auszugs aus „Familie Likin gegen den alltäglichen Gehirnwahnsinn“ (unveröffentlicht):

Ich öffne das Fenster einen Spalt und das Gesicht sagt: „Servus, lange nicht mehr gesehen! Wie geht´s? Kann ich helfen?“

Da ich weder weiß, woher ich dieses Gesicht kenne und mir natürlich der Name dazu nicht einfällt, sage ich nur kurz: „Habe die Ehre! Mir geht es gut und selbst? Es stimmt, ich könnte Hilfe gebrauchen, ich suche nämlich die Hausnummer 34!“

Das ist unverfänglich und gilt sowohl für Duz-Freunde als auch für weniger gute Bekannte. Dann gibt es keine unnötige Blamage.

„Das ist einfach, das ist das zweite Haus auf der rechten Seite, dort wo gerade die Tür aufgeht.“

„Ganz herzlichen Dank!“, antworte ich. „Das ist echt Spitze! Bei dem Regen und der schlechten Sicht hätte ich das wohl nie selbst gefunden. Ich muss mich beeilen, sonst wird sie total nass. Bis bald mal wieder!“

Schnell starte ich den Motor wieder und fahre die 50 Meter weiter.

Es nervt mich total, dass ich ihn nicht zuordnen konnte. Das passiert mir in letzter Zeit recht oft. Erst vor kurzem wusste ich den Namen meines Patenkindes nicht mehr. Sie reagierte verständnisvoll: „Kein Problem! Mach Dir keine Gedanken! Damit es aber nicht zunimmt, solltest Du über Life Kinetik® nachdenken, das hilft dem Gehirn!“ Ich entgegnete: „Soweit ist es ja nun doch noch nicht!“ und ging gänzlich gelangweilt zur Tagesordnung über, als sei nichts passiert. In mir sah es aber anders aus: Ist es wirklich schon so schlimm? Lässt Dein Hirn nach? Wirst Du senil? Doch dann kam meine alte Selbstsicherheit und ich sagte mir: „Nein, bist Du nicht!“

Total hastig steigt meine Kollegin Jutta in den Wagen und sprudelt sofort über – wie immer!

„Servus Rainer, super, dass Du mich abholst, nachdem mein Auto gestern den Geist aufgegeben hat. Gar nicht auszudenken, was ich sonst bei diesem Mistwetter gemacht hätte. Die ganze Frisur wäre im Eimer gewesen und wahrscheinlich hätte ich mich im Büro umziehen müssen, ganz zu schweigen von meinen Pumps, die wären wohl ruiniert gewesen. Also noch einmal: ganz herzlichen Dank! Du hast was gut bei mir! Kann ich Dir etwas Gutes tun, wünschst Du Dir vielleicht etwas schon lange?“

Jetzt holt sie zum ersten Mal Luft! Es ist mir ein Rätsel, wie sie das macht. Die Worte purzeln förmlich aus ihrem Mund, es scheint so, als müsste sie nicht mal nachdenken, wie wenn sie ein Band abspult, das auf unendlich eingestellt ist. Es ist unglaublich, dass es so etwas überhaupt gibt!

Bei mir geht das nicht so schnell. Manchmal fallen mir die passenden Wörter nicht sofort ein, dann muss ich Sprechpausen einlegen, die ich dann meistens ziemlich unschön mit „Ähm“ ausfülle. Bisher habe ich mir da nichts weiter dabei gedacht, weil viele unserer Politiker das gleiche Problem haben. Und wenn ich mir Interviews von bekannten Sportlern anhöre, denke ich immer, die sind auch nicht besser als ich. Neulich wurde ich aber das erste Mal etwas nachdenklich, nachdem einer meiner besten Freunde zu einem Interview mit einem ganz bekannten Fußballspieler – der Name fällt mir gerade nicht ein – nach dem Spiel sagte: „Der hat wohl auch zu viele Kopfbälle gemacht oder zu wenig Datenautobahnen im Hirn! Da kommen die Wörter, die hinten im Kopf gespeichert sind, wohl nicht schnell genug vorne im Sprachzentrum an. Dem würde Life Kinetik® sicherlich nicht schaden!“

Ich fand das Interview eigentlich nicht so schlecht, jedenfalls nicht schlechter als wenn ich eine Rede halten muss. Mit dem Begriff Life Kinetik® konnte ich nichts anfangen, aber ich wollte mir auch keine Blöße geben und habe natürlich nicht nachgefragt, was es ist.

Durch den Sprechdurchfall von Jutta denke ich jetzt aber wieder daran. Vielleicht hat sie dieses Life Kinetik® auch gegessen oder was immer man damit tut. Im Moment frage ich aber lieber nicht nach diesem ominösen Stoff sondern ob sie den Mann kennt, der offensichtlich drei Häuser weiter wohnt und dessen Namen ich nicht mehr wusste.

„Natürlich“, sagt sie, „das ist doch Dein alter Schulspezi Christian! Sag bloß, Du hast ihn nicht erkannt?“

„Doch, doch“, entgegne ich, „mir ist nur der verflixte Name nicht eingefallen. Das passiert mir in letzter Zeit häufiger!“

Sofort geht die Sprechmaschine wieder los: „Also ich habe da ja gar kein Problem! Namen und Gesichter sind schon nach dem ersten Sehen wie eingemeißelt. Selbst nach Jahren kann ich Dir genau sagen, was Du bei unserer ersten Begegnung angehabt hast, nämlich ein hellblaues kurzärmeliges Hemd mit einer dunkelblauen Krawatte und einer schwarzen Hose. Siehst Du, mein Gedächtnis funktioniert ausgezeichnet!“

Jetzt holt sie wieder Luft, während ich mir denke, dass sie mir viel erzählen kann, weil ich ganz sicher nicht mehr weiß, was ich damals getragen habe. Aber vielleicht ticken Frauen da anders.

Das Luft holen ist vorbei und sie sprudelt weiter: „Aber mein Bruder hatte das gleiche Problem. Ihm hat Life Kinetik® sehr geholfen, solltest Du auch mal ausprobieren. Soll sogar recht lustig sein. Mein Bruder möchte mich auch schon immer dazu überreden, weil er denkt, dass ich dann nicht ständig links und rechts verwechseln würde. Aber bis jetzt konnte ich mich noch nicht so recht durchringen. Das mit links und rechts ist ja nicht so dramatisch, oder? Schließlich habe ich auswendig gelernt, dass die Hand, an der ich am Daumen die Narbe habe, meine rechte Hand ist. Ich brauche also bloß die Hand anzusehen und schon weiß ich wo rechts ist!“

Während sie weiter erzählt, denke ich mir nur, dass Life Kinetik® offensichtlich nichts zum Essen ist, denn es soll ja Spaß machen. Tabletten oder ein Pulver machen aber doch keinen Spaß, oder?

Jutta rempelt mich an: „Sprichst Du jetzt nicht mehr mit mir, oder was?“

„So ein Unsinn! Natürlich spreche ich noch mit Dir. Wie kommst Du denn darauf?“

„Weil ich Dich gerade was gefragt habe!“

Oh Gott! Ich habe ihr einfach nicht mehr zugehört, nur weil ich über das komische Life Kinetik® nachgedacht habe. Wie komme ich jetzt aus der verzwickten Nummer wieder raus? Ich beschließe, in die Offensive zu gehen: „Kannst Du sie bitte noch einmal stellen, ich hatte gerade mit dem Komiker zu tun, der eben kurz vor uns die Spur gewechselt hat.“

„Ja natürlich! Wieder typisch Mann: keine zwei Sachen gleichzeitig schaffen. Zuhören und Denken geht wohl nicht? Hast Du schon mal was von Multitasking gehört? Ich hatte Dich gefragt, ob Du auch so oft Probleme mit links und rechts hast.“

„Ach so, jetzt kommt wieder die typische Mann-Frau-Klassifizierung: Frauen können alles gleichzeitig, aber wir Männer nur nacheinander! Das mag vielleicht so sein, aber deswegen werdet Ihr auch nicht schneller fertig, denn ich habe gestern gelesen, dass das nacheinander Abarbeiten schneller geht als alles gleichzeitig zu tun, weil man dann voll bei einer Sache ist. Außerdem stand da, dass Ihr in Wirklichkeit auch nicht mehrere Dinge gleichzeitig machen könnt, über die ihr nachdenken müsst. Das kann nämlich niemand! Ihr könnt bloß schneller von einer Sache zur anderen und wieder zurück springen. Das sieht dann für uns so aus als würdet Ihr es gleichzeitig machen, aber das stimmt wohl nicht!“

Ich bin begeistert von mir, weil ich einen so langen Vortrag ohne „Ähm“ hinbekommen habe und mich Jutta hat ausreden lassen. Dann jedoch sagt sie:

„Das ist alles Recht und schön, aber meine Frage hast Du wieder vergessen zu beantworten – ich sage nur Life Kinetik®!“

„Ist ja gut! Was hattest Du noch einmal gefragt?“

„Das gibt´s doch nicht! Dein Hirn ist wie ein Sieb! Ob Du auch Probleme mit links und rechts hast, wollte ich wissen!“

„Ach so, ja richtig! Nein, ich habe ganz sicher überhaupt keine Probleme mit links und rechts!“

Eigentlich wollte ich Jutta jetzt doch fragen, was dieses Life Kinetik® ist, aber wir sind in der Zwischenzeit an unserem Büro angekommen. Wie immer habe ich perfekt eingeparkt. Deshalb kann ich mir jetzt eine allerletzte Spitze nicht mehr verkneifen: „Hilft Life Kinetik® eigentlich auch beim Einparken? Falls ja, schick ich nämlich sofort meine Frau dahin!“

Ich ernte lediglich einen Schlag gegen meinen Oberarm und die Bemerkung: „Du bist ein echter Vollpfosten!“

loading
×